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Rekord beim Falkennachwuchs

Der NABU Bonn freut sich über Bruterfolg beim Turmfalken und gute Zusammenarbeit mit den lokalen Obstbauern


(c) Matthias Overmann / NABU Bonn 

In den letzten Wochen kontrollierten ehrenamtliche Mitarbeiter des NABU Bonn knapp 80 Nistkästen für Turmfalken, die sie in den letzten Jahren zur Förderung der Vogelart in der Region aufgestellt hatten. Jetzt ist die Brutsaison des kleinen Greifvogels zu Ende und Zeit, Bilanz zu ziehen. „Nach einem schon sehr erfolgreichen Jahr 2016 konnten wir die Zahlen im Jahr 2017 noch mal steigern!“ freut sich der Vorsitzende des NABU Bonn, Alexander Heyd. „Wir haben eine Rekordzahl von 22 Bruten, aus denen mindestens 82 flügge Jungvögel hervor gegangen sind. Der Fortpflanzungserfolg dieser hübschen Falkenart im Süden von Bonn von Wachtberg bis nach Rheinbach und Meckenheim ist damit gesichert“. Der NABU Bonn zieht damit eine rundum positive Bilanz dieser Artenschutzmaßnahme. Der Turmfalke nimmt die künstlichen Nisthilfen offensichtlich sehr gern an und brütet über mehrere Jahre im selben Kasten. „Die Aktion ist deutschlandweit einzigartig" erklärt Alexander Heyd. „Ein so umfangreiches Angebot an Nistkästen für Turmfalken in der offenen Feldflur gibt es nur im Rhein-Sieg-Kreis. Durch die Nisthilfen erreichen wir mittlerweile eine Dichte an Bruten, die auch unter Fachleuten als außergewöhnlich hoch gilt.“ Vogelexperte Axel Hirschfeld, der mit freiwilligen Helfern die jungen Falken erfasst und für den NABU Bonn beringt, ergänzt: „Bei der ersten Zählung im Jahr 2013 starteten wir mit 28 Kästen, in denen nur zwei Bruten mit insgesamt fünf Jungen stattfanden. Innerhalb weniger Jahre konnten wir also eine Vervielfachung des Bestands erreichen.“ 2017 waren fast 30 % der Kästen besetzt.


(c) P. Meyer / NABU Bonn 

Möglich wurde dieser Erfolg durch eine Kooperation des NABU Bonn mit dem Handelskonzern REWE und insgesamt 35 Obstbauern im Bonner Umland, die diese Nistkästen auf ihren Grundstücken aufgestellt haben. Die Unterstützung der Turmfalken ist Teil eines größeren Projektes zur Förderung der Artenvielfalt im konventionellen Obstanbau. Außer Nistkästen für Turmfalken installieren die beteiligten Landwirte Nistkästen für Singvögel, Fledermauskästen und Nisthilfen für Wildbienen, legen Blühstreifen, Blumenwiesen, Totholz- und Steinhaufen als Verstecke für wildlebende Tiere an. Sie alle sollen für mehr Artenvielfalt in der Landwirtschaft sorgen.

Die Äpfel der am Projekt beteiligten und an REWE liefernden Betriebe sind erkennbar an dem Pro Planet-Label „ Artenvielfalt schützend“. Das Pro-Planet-Label kennzeichnet konventionelle Produkte, die Umwelt und Gesellschaft deutlich weniger belasten als vergleichbare Produkte. REWE finanziert bundesweit die Beratung der Landwirte durch Naturschutz-Experten vom NABU und bezahlt die Materialien. „Ein Nistkasten für Falken oder Schleiereulen kostet mit Zubehör mindestens 130 Euro und auch das Saatgut von heimischen Pflanzen für artenreiche Blühflächen ist teuer. Daher ist es gut, dass REWE diese Kosten übernimmt“ so Biologin Monika Hachtel, die das Projekt seit 2014 mitbetreut. „Das Aufstellen von Turmfalkenkästen ist eine besonders beliebte Maßnahme, da wir so einen natürlichen Schädlingsbekämpfer fördern und den Einsatz von Giften gegen Mäuse reduzieren können.“ Mit seinem sogenannten Rüttelflug erbeutet der Falke mehrere tausend Mäuse pro Jahr, die er selber frisst oder an seine Jungen verfüttert. An seiner Jagdtechnik ist der kleine Greifvogel auch gut zu erkennen: Auf der Suche nach seiner Hauptnahrung, den Feldmäusen, kann er durch schnellen Flügelschlag minutenlang fast regungslos am Himmel stehen. Mit seinen scharfen Augen sucht er den Boden ab, ohne seine Beute durch zu viel Bewegung aufzuschrecken. Dieser Mäusehunger macht ihn sehr beliebt bei den Obstbauern, da er deren Vorkommen in Schach hält und so die oft erheblichen Fraßschäden an Bäumen verringert.

Alexander Heyd meint abschließend: „ Mit dem Kooperationsprojekt wollen wir zeigen, dass man auch in der konventionellen Landwirtschaft viel für die Natur erreichen kann. Nicht nur die Falkenkästen, auch die anderen von den Landwirten umgesetzten Maßnahmen bereichern unsere Landschaft. So sind die Blühflächen zurzeit ein Paradies für Schmetterlinge, Wildbienen und andere Insekten – hier summt und zirpt es überall. In den Totholzhaufen haben wir schon mehrfach Mauswiesel gesichtet und auch die Dorngrasmücke brütet dort. So schaffen wir für viele Tierarten Lebensraum und wirken mithilfe der örtlichen Obstbauern dem bedrohlichen Artenschwund in der Landwirtschaft ein bisschen entgegen“.

Auch Dr. Florian Schäfer, der das Projekt von REWE-Seite betreut, ist zufrieden: „Das Apfel-Projekt zeigt, dass der Dialog zwischen Naturschützern und Landwirten einen wertvollen Mehrwert für die Natur, die Anbauregion und alle Beteiligten liefert. Es ist schön mit anzusehen, wie sich unser Engagement entlang der Wertschöpfungskette bis zum Landwirt auszahlt.“

Weitere Informationen zum NABU Bonn und zur REWE Group:


(c) A. Hirschfeld / NABU Bonn 

Die Kreisgruppe Bonn des Naturschutzbundes Deutschland (NABU Bonn) ist mit über 2.400 Mitgliedern der größte Naturschutzverband in der Region Bonn/Rhein-Sieg. Der Schwerpunkt der im Jahr 1911 gegründeten Bonner Gruppe liegt in der Landschaftspflege und der Jugend-Umweltbildung. Insgesamt betreuen die Mitglieder ehrenamtlich mehr als 60 Naturschutzflächen, darunter große Schutzgebiete wie die Kiesgrube Dünstekoven in Swisttal und den Dächelsberg in Wachtberg, daneben aber auch zahlreiche Streuobstwiesen, Orchideenrasen und Feuchtgebiete. Für den Erhalt von Steinkäuzen, Schleiereulen und Uhus existieren mehrere NABU-Artenschutzprojekte in Swisttal, Rheinbach, Meckenheim und Wachtberg. Mit der "Naturschule Am Kottenforst" in Swisttal-Dünstekoven verfügt der NABU Bonn über eine wichtige Anlaufstelle für die Umweltbildungsarbeit im linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis.

Die genossenschaftliche REWE Group ist einer der führenden Handels- und Touristikkonzerne in Deutschland und Europa. Im Jahr 2016 erzielte das Unternehmen einen Gesamtaußenumsatz von über 54 Milliarden Euro. Die 1927 gegründete REWE Group ist mit ihren 330.000 Beschäftigten und 15.000 Märkten in 19 europäischen Ländern präsent. In Deutschland erwirtschafteten im Jahr 2016 rund 240.000 Mitarbeiter in rund 10.000 Märkten einen Umsatz von 39 Milliarden Euro. Zu den Vertriebslinien zählen Super- und Verbrauchermärkte der Marken REWE, REWE CENTER, REWE CITY und BILLA, der Discounter PENNY sowie die Baumärkte von toom und B1 Discount Baumarkt. Hinzu kommen die Bio-Supermärkte (TEMMA), innovative Convenience-Märkte (REWE To Go), das Gastrokonzept „Oh Angie!“ und E-Commerce-Aktivitäten REWE Lieferservice sowie Zooroyal, Weinfreunde und Kölner Weinkeller. Zur Touristik gehören unter dem Dach der DER Touristik Group die Veranstalter ITS, Jahn Reisen und Travelix sowie Dertour, Meier's Weltreisen, ADAC Reisen, Kuoni, Helvetic Tours, Apollo und Exim Tours sowie die Geschäftsreisesparte FCM Travel Solutions und über 2.400 Reisebüros (u.a. DER Reisebüro, DERPART, Kuoni), die Hotelmarken lti, Club Calimera, Cooee, PrimaSol und Playitas Resort und der Direktveranstalter clevertours.com.

Für Rückfragen: Monika Hachtel, NABU Bonn, Projektmitarbeiterin, Tel. mobil: 0176 / 27 186 181 Mail: Monika.Hachtel@NABU-NRW.de

 

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