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Das große Insektensterben

Infoabend in Bornheim-Roisdorf


(c) Peter Meyer / NABU Bonn 

"Das große Insektensterben", so lautete der Titel der Infoveranstaltung in Bornheim Roisdorf, zu der die Partei der Grünen interessierte Bürger und Bürgerinnen geladen hatte. Herr Karl-Heinz Jelinek vom Fachausschuss für Entomologie des NABU Landesverbandes NRW wurde als Referent vom NABU-Bonn für die Veranstaltung geworben.

Schon vor der Infoveranstaltung erfolgte eine Besichtigung des Biohofs Apfelbacher in Bornheim Brenig, an der die Grünen-Politikerin und Vorsitzende des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Bärbel Höhn, die NABU Experten Karl-Heinz Jelinek und Peter Meyer und die Vertreter der Grünen Bornheims teilnahmen. Während der Besichtigung wurden rege Diskussionen zwischen Frau Höhn, den NABU-Experten, den Biohofbesitzern Apfelbacher und weiteren Gästen zu dem Thema Insektensterben und der Frage, wie unsere Landwirtschaft dem entgegenwirken kann, geführt.


(c) Peter Meyer / NABU Bonn 

Bei der anschließenden Infoveranstaltung in Bornheim Roisdorf war sowohl die konventionelle Landwirtschaft, die Pflege und Nutzung von öffentlichen Flächen aber auch die Nutzung und Gestaltung privater Flächen wie etwa Gärten sowohl als Ursache des Insektensterbens wie auch als Möglichkeit zur Schaffung insektengerechter Habitate ein großes Thema. Karl-Heinz Jelinek leitete die Infoveranstaltung zunächst mit einem Vortrag über die aktuelle Bestandsentwicklung der Insekten in Deutschland ein. Er erklärte, wie dramatisch sich ihr Rückgang auf die Natur, aber auch auf die für den Menschen wichtige Lebensmittelherstellung (Bestäuber) auswirken wird. Insgesamt sind es ca. 80% weniger Insekten als noch vor etwa 25 Jahren. Eine erschreckende Zahl, bei der es höchste Zeit ist, die Notbremse zu ziehen.


(c) Peter Meyer / NABU Bonn 

Wie konnte es nur soweit kommen?

Karl-Heinz Jelinek erklärte, dass es viele Ursachen gibt die sich unterschiedlich stark auf verschiedene Insektenarten auswirken. Eine zentrale Rolle als Gefährdungsursache spielen jedoch die von der Land- und Forstwirtschaft zum Pflanzenschutz eingesetzten Chemikalien. Studien beweisen, dass einige dieser Chemikalien wie die künstlich hergestellten Neonicotinoide einen negativen Einfluss auf die Orientierungsfähigkeit der Bienen haben. Diese finden entweder gar nicht oder erst nach einer viel längeren Zeit als üblich zu ihrem Stock zurück. Welche dramatischen Auswirkungen die Neonicotinoide auf andere Insekten haben, wurde bislang noch nicht ausführlich untersucht. Ein Appell des Entomologen Jelinek an die Politik ist die Förderung und die Einführung eines deutschlandweiten Insektenmonitorings, um Gefährdungsquellen frühzeitig zu erkennen und zu beseitigen.


(c) Peter Meyer / NABU Bonn 

Doch bis genaue Studien und Ergebnisse vorliegen darf nicht gewartet werden, denn dann könnte es bereits für einige Insektenarten zu spät sein. Wir müssen jetzt handeln! Es muss auf vielen Ebenen etwas passieren. Sowohl die Politik, die Städte und Kommunen als auch jeder Einzelne kann seinen Beitrag leisten. Habitate in Form von Blüh- und Brachflächen müssen nicht nur gefördert, sondern auch insektengerecht gepflegt werden! Die landwirtschaftliche Fläche, die mittlerweile größtenteils von strukturlosen Monokulturen geprägt ist, muss mit Strukturelementen wieder aufgewertet werden. Diese ganzen Bemühungen bringen jedoch nicht den größtmöglichen Erfolg, wenn nach wie vor der flächendeckende Einsatz von zum Teil hoch toxischen Chemikalien wie den Neonicotinoiden weiterhin erlaubt ist. Diese Insektizide verwandeln nicht nur die Äcker in insektenfeindliche Gebiete, sondern gelangen durch den Boden, gelöst in Regenwasser, in Insektenhabitate, wo sie die gleiche Wirkung wie auf dem Acker entfalten können.

Mit gutem Vorbild geht hier die biologische Landwirtschaft voran. Durch den Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel können nicht nur die Äcker sondern auch am Rande entstehenden Habitate die zum Teil mit Einsaat von Ackerwildkräuter unterstütz werden von Insekten optimal genutzt werden. Noch haben wir die Möglichkeit, einer Vielzahl von Arten in unserer Landwirtschaft wieder einen Platz zu geben. Viele Arten sind noch vorhanden, aber lediglich in kleiner Stückzahl in unseren Naturschutzgebieten. Wollen wir diese Arten erhalten, so müssen sich wieder stabile Populationen aufbauen und das geht nur, wenn ausreichend nicht chemisch belastete Habitate angelegt werden.

Von intakten Ökosystemen mit entsprechender Insektenfauna profitieren nicht nur viele Vogelarten und Fledermäuse sondern auch wir.

 

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