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Der Star

Vogel des Jahres 2018


(c) P. Meyer / NABU Bonn 

Der in diesen Tagen vom Naturschutzbund vorgestellte Vogel des Jahres 2018 ist keine seltene Vogelart. Schon der wissenschaftliche Artname Sturnus „vulgaris“ verrät, dass es sich um eine jener häufigen Allerweltsvögel handelt, die schon von jeher die Nähe menschlicher Siedlungen sucht und sich in unseren Kulturlandschaften besonders wohl fühlt. Bei manchen Gartenbesitzern ist er sogar ein eher unbeliebter Gast, wenn er gleich scharenweise in Kirschbäumen oder am Futterhäuschen einfällt.

Doch die scheinbare Häufigkeit, mit der die Stare besonders im Herbst und Winter gesellig in kleinen Trupps oder gleich schwarmweise unterwegs sind, täuscht: Der Star ist ein Paradebeispiel dafür, wie es heute selbst um unsere eigentlich häufigsten Vogelarten steht. Trotz der durchschnittlich ca. 3,65 Mio Brutpaare bundesweit gehen auch beim Star die Bestände etwa seit der Jahrtausendwende deutlich zurück. Auch in NRW schlagen Ornithologen schon seit Jahren Alarm, denn mit aktuell 155.000-200.000 Brutpaaren ist die Population um 80% geschrumpft.

Hauptgründe hierfür liegen einmal wieder in dem dramatischen Schwund an geeigneten Lebensräumen. Wie alle Singvögel braucht auch der Star geeignete Nahrungshabitate und Brutmöglichkeiten, d.h. Flächen mit kurzer Vegetation, auf denen er vor allem während der Jungenaufzucht nach Würmern und Insekten sucht, sowie geeignete Bruthöhlen in hohen Bäumen. Beides ist in den großflächigen Monokulturen von Getreide und Energiepflanzen immer seltener zu finden. Hinzu kommt die intensive Viehhaltung, bei der auch Rinder fast nur noch in geschlossenen Ställen gehalten werden. Gerade in der Nähe von Weidetieren fand der Star früher immer reichlich Insektennahrung für sich und seine Brut.

Ersatzlebensräume findet der Star häufig eher in der Stadt, wo er in alten Bäumen auf Alleen, Friedhöfen oder in Parks brütet und auf den kurz gemähten Wiesen auf Nahrungssuche gehen kann. Doch auch hier ist er stark auf künstliche Nisthilfen angewiesen.

Schillernde Gesangskünstler und Herbstboten


(c) P. Meyer / NABU Bonn 

Während der Star im Winter eher unscheinbar daherkommt, leuchtet das Brutgefieder bei beiden Geschlechtern zur Brutzeit mit schillernden Farben in der Frühlingssonne. Viele Stare leben monogam, d.h. die Paare bleiben ein Leben lang zusammen. Andere wiederum mögen die Abwechslung und suchen sich immer wieder neue Partner. Stare bleiben auch während des Brutgeschäfts durchaus gesellig und mögen die Nachbarschaft anderer Brutpaare. Die meisten Paare brüten bis zu zweimal im Jahr, wobei sich beide Geschlechter an der Brutpflege beteiligen. Ein Gelege besteht meist aus etwa 5 Eiern.

Der Gesang der Starenmännchen, mit dem sie die Weibchen zur Brut bewegen wollen, ist extrem abwechslungsreich und durch die Einlage seltsamer Zisch- und Schnalzlaute kaum mit anderen Arten zu verwechseln. Hinzu kommt, dass Stare perfekt Laute nachahmen können und vorzugsweise den Gesang anderer Vogelarten oder die Rufe von Greifvögeln in seine Strophen einbauen.

Zu den eindrucksvollsten Naturschauspielen gehören die ab dem Spätsommer immer größer anwachsenden Starenschwärme, die auch in unserer Region von jeher den nahenden Herbst und baldigen Vogelzug ankündigen. Eine solche aus Tausenden von Vögeln bestehende Flugformation ähnelt aus der Entfernung einer riesigen schwarzen Wolke, die mit synchronen Wellenbewegungen Städte und Felder überfliegt. Kurz darauf ziehen die meisten Stare in ihre Überwinterungsquartiere in Südeuropa und Nordafrika. Je nach Lebensort ist unser Jahresvogel aber auch Standvogel oder Teilzieher. Viele verbringen die relativ milden Winter hier bei uns.

Stare in der Region


(c) P. Meyer / NABU Bonn 

Auch die Beobachtungen der NABU-Vogelschützer aus Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis wie auch die Aufzeichnungen von Dr. Goetz Rheinwald (ehemaliger Leiter der Ornithologischen Abteilung im Zoologischen Forschungsmuseum A. Koenig), zeigen einen beunruhigenden Rückgang der Starenpopulationen in der ganzen Region. Die großen Flugformationen am Herbsthimmel blieben in diesem Herbst weitgehend aus. Die Bonner Kreisgruppe hat daher mittlerweile ihre Aktionen zum Schutz der Stare intensiviert und an vielen geeigneten Standorten im gesamten Kreis und in der Stadt Bonn neue Nisthilfen für unseren bedrohten Jahresvogel aufgehängt.

 

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