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Mauersegler im Rheinland

Dieses Jahr früher Abzug


(c) Peter Meyer / NABU Bonn 

Am Boden landen sie so gut wie nie. Bei Mauerseglern geschieht alles im Flug: die Jagd, die Balz und gelegentlich auch die Paarung. Selbst zur nächtlichen Ruhe lassen sie sich weiterhin vom Wind treiben. Nur für die Eiablage, Brut und Aufzucht der Jungen müssen die Tiere festen Grund aufsuchen. Meistens in Fels- und Gebäudenischen.


(c) Peter Meyer / NABU Bonn 

Doch nicht wie üblich ab Anfang August haben uns die Rheinländer Flugkünstler verlassen, in diesem Jahr waren sie schon seit Mitte Juli nicht mehr laut kreischend am Himmel aufzufinden. Sie befinden sich bereits auf dem Weg zu ihren Winterquartieren im südlichen Afrika mit Zwischenstation am Bodensee, wo sie sich derzeit zu Tausenden aufhalten. Die letzten hier jetzt noch zu sehenden sind meist nordische Durchzügler.


(c) Peter Meyer / NABU Bonn 

Nicht flugfähige Junge mussten im Nest zurückgelassen werden. Diese fallen dieser Tage nicht wegen Parasitenbefall, wie vermeintlich angenommen, sondern mangels ausreichend Energie ausgehungert aus ihren Nestern und werden von dem ein oder anderen Bewohner der Stadt Bonn und Rhein-Sieg-Kreis aufgefunden. Auffällig viele sind es in diesem Jahr; sind sie doch normalerweise erst später bereit, mit ihren Eltern die weite Reise in den Süden anzutreten. Hilft man ihnen, ausreichend Fettreserven aufzubauen, z.B. in einer Aufzuchtstation, können sie noch Anschluss an den Zug nach Süden mit den Mehl- und Rauchschwalben finden.


(c) Peter Meyer / NABU Bonn 

Sie ernähren sich, wie Dr. Götz Rheinwald, ehemaliger Leiter der ornithologischen Sektion des Museum Koenig, es nannte, von sog. "Luftplankton". Ihr mächtiger Rachen fungiert dabei wie ein großer Trichter, mit dem sie, optimal an die Jagd in der Luft angepasst, allerlei Insektenarten sammeln können. Dazu zählen vor allem Blattläuse, Käfer, Haut- und Zweiflügler sowie Spinnen. Bei langanhaltenden Dürreperioden wie jetzt, wenn keine Nahrung mehr verfügbar ist, verfallen die Jungen in einen Starrezustand, in dem ihr Stoffwechsel auf Sparflamme geschaltet wird. Darin können sie bis zu 43 Tage ohne Nahrung verharren. Die Altvögel weichen dann während solcher Fütterungspausen bis zu 150 km weit aus, um Fluginsekten für sie zu finden. Ihre gewöhnliche Tagesleistung liegt bei über 20 000 Insekten, was einem Gewicht von 50 Gramm entspricht.

So nicht mehr in diesem Jahr: Andauernde Hitze, Brände und Unwetter haben ihre Nahrungsgrundlage zerstört.

Wir hoffen, dass uns die Mauersegler im kommenden Frühjahr mit ihrem bekannten Ruf, dem "srih", wieder zahlreich erfreuen.

 

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