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Schlechter Sommer für Pilze

NABU-Pilzwanderung im Rheinbacher Stadtwald und Ersdorfer Wald


(c) P. Meyer / NABU Bonn 

Am 02.09. fand eine Pilzwanderung im Gebiet Eulenbach/Brotpfad im Rheinbacher Stadtwald und um den Hilberather Bach im Ersdorfer Wald unter der Leitung von Christian Heinichen zur Bestimmung der dort vorkommenden Pilzarten statt.

Dabei ist den Teilnehmern vor allem aufgefallen, dass viele Pilzarten, darunter Blätterpilze, Röhrlinge und Sprödblättler, aufgrund der Trockenheit in diesem Sommer bisher keine Fruchtkörper gebildet haben.


(c) C. Heinichen 

Besser sieht es bei den Arten aus, die als Parasiten, Saprobionten oder Symbiose-Pilze auf Pflanzen wachsen und dadurch besser mit Wasser und Nährstoffen versorgt sind. Dazu gehört z. B. die Rötende Tramete, ein Saprobiont (d. h. Pilz, der tote Substanz zersetzt), der in Au- und Moorwäldern vorkommt, dort bevorzugt Erlen und Weiden befällt und die sogenannte Weißfäule auslöst. Dabei baut der Pilz das Strukturmolekül Lignin ab, welches die Verholzung der Pflanzenzellen bewirkt und dem Baum seine Stabilität verleiht. Zurück bleibt die helle, faserige Cellulose (ein weiteres wichtiges Strukturmolekül des Baumes).

Ein weiteres auffallendes Merkmal der Rötenden Tramete ist, dass ihre braunen, eckigen Poren bei Druckausübung eine rötliche Farbe annehmen.


(c) C. Heinichen 

Ein anderer Weißfäule bildender Pilz ist der Zunderschwamm, der sowohl Parasit (lebende Substanz befallend) als auch Saprobiont ist. Er kommt im Laubwald vor und wächst bevorzugt auf Rotbuchen und Birken. Besonders beim Zunderschwamm ist, dass er beim Abbau des Lignins sichtbare Grenzlinien bildet, sodass der Eindruck einer Marmorierung entsteht. Daher spricht man auch von „Marmorfäule“.


(c) P. Meyer / NABU Bonn 

Anders sieht es beim Birken-Porling aus. Dieser ebenfalls auf lebenden oder abgestorbenen Birken wachsende Pilz bildet die sogenannte Braunfäule. Hierbei wird nicht das Lignin, sondern die Cellulose des Baumes abgebaut, und zurück bleibt nun das dunkelbraune, brüchige Lignin. Braunfäule kann man aber nicht nur an Birken, sondern auch an Buchen, Flieder, Pflaumen und Weiden beobachten. An der Unterseite morscher Äste dieser Bäume wächst nämlich die Weißliche Braunfäuletramete, ebenfalls ein Saprobiont.

Auch wenn alle diese Pilze interessant und schön anzusehen sind - essen sollte man sie nicht, denn sie sind ungenießbar!

Trotz der schönen Exemplare, die bei der Wanderung gefunden wurden, sind die zahlreichen durch die monatelange Trockenheit am Wachstum gehinderten Pilze ein trauriges Beispiel dafür, wie die Natur unter abnormalen Klimaereignissen leidet. Bleibt nur zu hoffen, dass der Herbst für Pilze bessere Bedingungen bietet.

 

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