NABU-Bonn.de NABU in... Wachtberg Obstwiese Dächelsberg

Kleinod im Drachenfelser Ländchen

Das Naturschutzgebiet Dächelsberg 

Als im Frühjahr 1955 die letzte Schicht im Steinbruch "Dächelsberg" in Wachtberg-Niederbachem endete, hätte wohl keiner der Kumpel vermutet, daß sein Arbeitsplatz dereinst ein Naturparadies werden würde. Der Wert des Gebietes wurde Ende der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts erkannt - 1984 stellte der Rhein-Sieg-Kreis den Dächelsberg unter Naturschutz.

Heute gehört das Gebiet zu den bedeutendsten Reservaten der Region. Der trockene, felsige Untergrund des alten Steinbruchs, die kalkhaltigen Lößhänge an seinem Rand und das milde Kleinklima sorgen für eine Fülle besonderer Lebensräume. Blanker Fels, trockene Wiesen, dichte Gebüsche, sonnendurchflutete Laubwälder und ein See - der Dächelsberg hat allerhand zu bieten. In keinem Schutzgebiet der näheren Umgebung kommen so viele gefährdete Tier- und Pflanzenarten auf so engen Raum nebeneinander vor wie hier. Springfrösche, Zauneidechsen und Schlingnattern, Kleinspechte, Nachtigallen und Teichrohrsänger, Tauben-Skabiosen, Salomonsiegel und Golddisteln - die Liste ließe sich beliebig verlängern.

Als "Natur aus zweiter Hand" ist der Dächelsberg aber vom Menschen abhängig. Ohne weiteres Zutun fände sich dort heute allenfalls ein schattiger See und ein artenarmer Wald. Als das Schutzgebiet vor 20 Jahren eingerichtet wurde, war von den einst ausgedehnten Offenflächen schon nicht mehr viel zu sehen. Gehölzaufwuchs gefährdete die sonnigen Hänge und Flachwasserbereiche, Schatten fiel auf Felsen und Trockenrasen. Die Behörden brauchten fachkundige Helfer für die Pflege der Flächen - und fanden sie bei der Kreisgruppe Bonn des NABU!

Im Herbst 1986 legten Mitglieder des NABU - damals noch Deutscher Bund für Vogelschutz - erstmals Hand an: Im Steinbruch wurden Eschen, Ahorne und Weiden gefällt, wuchernde Hartriegelgebüsche zurückgedrängt. Schon im darauffolgenden Sommer dankten es ihnen die Wiesen mit einem bunten Blütenteppich. Es folgten weitere "Entbuschungen" und bald konnten auch längst zugewachsene Wiesen auf den Hängen am Rande des Steinbruchs wiederbelebt werden. Mitte der 90er Jahre gelang dem NABU die Pacht einer großen Obstwiese, die sich - innerhalb des Schutzgebietes - bis hin nach Oberbachem ausdehnt. In Zusammenarbeit mit dem Streuobstwiesenverein Wachtberg wurde der wertvolle Baumbestand gepflegt und durch Nachpflanzungen alter Obstsorten ergänzt.

So wurde der NABU zu einem zuverlässigen Ansprechpartner der Kreisverwaltung Rhein-Sieg und der Gemeinde Wachtberg, wenn es um die Pflege des Dächelsbergs geht. In jedem Herbst und Winter sorgen NABU-Mitglieder für die weitere Auslichtung zugewachsener Offenbereiche und im Sommer werden die Wiesen und Trockenrasen gemäht.

Das Ergebnis vieler Jahre emsiger Naturschutzarbeit am Dächelsberg kann sich sehen lassen: Heute sind die wertvollen Freiflächen mehr als dreimal so groß wie Mitte der 80er Jahre. Dichte, dunkle Baumbestände sind lichten, artenreichen Laubwäldern gewichen und die große Obstwiese ist gerettet. Die Bestände der gefährdeten Tier- und Pflanzenarten haben sich sehr gut entwickelt, die Anzahl der neu nachgewiesenen Arten ist sprunghaft in die Höhe geschnellt.

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