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Vogel des Jahres 2021

Das Rotkehlchen


(c) Peter Meyer / NABU Bonn 

Bei der ersten öffentlichen Wahl zum Vogel des Jahres wurde im März das Rotkehlchen gewählt. Schon zum zweiten Mal – auch im Jahr 1992 trug der kleine Vogel bereits den Titel – machen Naturschützer hiermit auf die Bedeutung strukturreicher Gärten, Parks, Wälder und anderer Flächen in unseren Siedlungen aufmerksam, die in den letzten Jahren immer seltener werden. Mehr Vielfalt in unseren Gärten – das ist die Botschaft des aktuellen Jahresvogels!

Lebensraum und Nahrung

Das Rotkehlchen, das sich auch in der Nähe des Menschen sehr wohl fühlt und hier oft durch sein relativ zutrauliches Verhalten auffällt, ist sicherlich eine der bekanntesten und beliebtesten Singvogelarten Mitteleuropas. Meist hält es sich in Bodennähe im Gebüsch oder im Unterholz des Waldes auf, stets auf der Suche nach seinen Beutetieren – kleine Spinnen, Insekten und deren Larven, insbesondere Käfer, Fliegen, Schmetterlingsraupen, Ameisen und Blattläuse. Vor allem auf frisch umgegrabenen oder anderen offenen Bodenflächen geht es auf die Jagd. Gartenbesitzer begleitet es dann häufig bei der Arbeit und traut sich nicht selten bis auf einen Meter heran. Gern hält es auch Ausschau nach großen Tieren, weil diese für gewöhnlich einige Insekten aufwirbeln. Später im Sommer und Herbst erweitert es sein Nahrungsspektrum mit Beeren und anderen Früchten. Auch am Winterfutterhaus ist es ein häufiger Gast.


(c) Peter Meyer / NABU Bonn 

Aussehen

Das Rotkehlchen (Erithacus rubecula) ist ein kleiner Verwandter von Amseln und Drosseln. Der rundliche Vogel ist leicht zu erkennen an seinem typischen orangeroten Gefieder an Stirn, Kehle und Brust. Der Bauch ist weiß, die Flanken grau-beige, Oberseite und Schwanz dunkel olivbraun gefärbt. Nur jungen Rotkehlchen fehlt die rote Färbung. Bis zur ersten Mauser im Sommer tarnen sie sich noch mit ihrem unauffälligen, bräunlich gefleckten Jugendkleid.

Gesang

Trotz seiner bescheidenen Größe ist das Rotkehlchen durchaus stimmgewaltig. Mit seinem perlenden, etwas melancholisch klingenden Gesang, den man im Frühjahr schon früh am Morgen hören kann, macht der Vogel unmissverständlich seinen Revieranspruch deutlich. Rotkehlchen sind trotz ihres possierlichen Aussehens relativ aggressiv und dulden keinen Artgenossen in ihrer Nähe. Übrigens können im Gegensatz zu anderen Singvögeln auch die Weibchen singen, auch wenn dies meist etwas leiser klingt als bei den Männchen.


(c) Peter Meyer / NABU Bonn 

Brutverhalten

Rotkehlchen sind Teilzieher, das heißt manche ziehen im Herbst in wärmere Regionen ab, andere – zum Beispiel die meisten Vögel bei uns im milden Rheinland - bleiben den ganzen Winter über bei uns. Die Brutzeit geht bei den Rotkehlchen von Anfang April bis Juli. Beim Nistplatz sind die Vögel nicht allzu wählerisch, wobei Bodennester zwischen Wurzeln, unter Baumstämmen oder in Erdlöchern favorisiert werden. Auch niedrig hängende Halbhöhlen-Nistkästen werden oft angenommen. Das Gelege umfasst drei bis sieben gelbliche Eier mit rotbraunen Punkten und Linien. Nach 12 bis 15 Tagen schlüpfen die Jungen und verlassen das Nest nach weiteren 13-15 Tagen. Zwei Bruten pro Jahr sind keine Seltenheit.

Bestand

Mit schätzungsweise 2,5 bis 4 Millionen Brutpaaren in Deutschland zählt das Rotkehlchen zu unseren häufigsten Brutvögeln. Auch in NRW wird der Bestand auf ca. 480.000-600.000 Reviere geschätzt. Dennoch leidet auch das Rotkehlchen unter der Intensivierung der Landwirtschaft und zunehmenden Verbauung z.B. durch immer neue Gewerbegebiete, in denen sie wenig Hecken und dichte Gebüsche finden. Außerdem fallen jährlich immer noch Tausende von Rotkehlchen der dort verbreiteten Singvogeljagd zum Opfer.

Vielfalt im Garten

Wer dem kleinen Sympathieträger in seinem Garten eine Heimat bieten möchte, sollte möglichst Platz für dichte, naturnahe Hecken und Blühflächen lassen, in denen sowohl das Rotkehlchen als auch Insekten und andere Kleintiere Nahrung und Fortpflanzungsmöglichkeiten finden. In heimischen Sträuchern wie Schneeball, Pfaffenhütchen, Hartriegel und Faulbaum sowie dichtem Efeugestrüpp zum Beispiel an Wänden und Mauern findet das Rotkehlchen nach dem anstrengenden Brutgeschäft nahrhafte Beerenfrüchte und sichere Verstecke vor Räubern. In den modernen Schottergärten wird man das Rotkehlchen vergeblich suchen.

 

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