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Wo die Nachtjäger schlafen gehen

Neues Fledermausquartier bei Rheinbach geschaffen

Naturschutzbund (Nabu) richtet in altem Wasserspeicher im Wald bei Rheinbach Quartier für Fledermäuse ein - Tiere schätzen dunkle, feuchte Höhlen, doch davon gibt es in Region nur wenige

Von Dominik Pieper

Rheinbach. Die Wohnung ist dunkel, muffig und feucht. Außerdem zieht es. An der Außenwand bröckelt der Putz. Den Bewohnern, die bald hier einziehen sollen, macht das nichts aus. Die hängen ohnehin nur den lieben langen Tag herum, und nachts ziehen sie durch die Gegend.

Peter Meyer, eine Art Hausmeister für dieses Domizil, bringt noch rasch das nagelneue Türschild an. Darauf steht in dicken Lettern: "Fledermausquartier." Der ausgediente Wasserspeicher im Wald oberhalb des kleinen Rheinbacher Höhenorts Krahforst eignet sich nämlich bestens für die dünnhäutigen Nachtjäger.

"Die mögen solche Höhlen ganz gerne. Davon gibt es in unserer Region viel zu wenige", sagt Peter Meyer. Er ist Vorstandsmitglied beim Bonner Naturschutzbund (Nabu), der den früheren Hochbehälter auf dem Hochkopf mit wenig Aufwand als Quartier für Fledermäuse herrichtete.

Das schlichte Bauwerk, das früher für die Wasserversorgung der Höhenorte von Bedeutung war, ragt mehrere Meter in die Erde. Von außen erinnert es an einen Bunker. Erst sollte der Hochbehälter abgerissen werden, doch dann blieb er aufgrund leerer Haushaltskassen stehen. Die Bonner Forstverwaltung beließ es dabei, ihn aus Sicherheitsgründen zu versiegeln.

Da kam ihr der Vorschlag vom Nabu-Beiratsmitglied Bernd Fuhs, der in der Nachbarschaft wohnt, gerade recht. Er hatte das Gemäuer schon seit Jahren als idealen Unterschlupf für Fledermäuse angesehen: "Warum soll man Geld ausgeben, um etwas zu zerstören, das noch Jahrzehnte der Natur dienen kann?"
Der Nabu, dem das Forstamt die Nutzung überließ, konsultierte Markus Thies, einen Fledermaus-Experten aus der Eifel. Der hatte im Auftrag des Verbandes bereits im Dünstekovener Naturschutzgebiet einen alten Stollen fachgerecht ausgebaut. Dieser ist heute von Fledermäusen bewohnt.

Auch im alten Beton-Behälter bei Rheinbach legte der Fachmann Hand an. Der Eingang besteht aus einer massiven Industriestahltür mit Gittern, durch das die Tiere flattern können. Besonders menschenscheu seien sie nicht, berichtet Meyer. "Die stört es nicht, wenn jemand an der Tür steht und spricht." Im Inneren des Behälters befinden sich als "Mobiliar" Hohlziegel und Tonröhren, in denen sich die Tiere mit ihren kleinen Krallen einhängen können. An den glatten Betonwänden hätten sie keinen Halt gehabt.

Über einen stählernen Steg haben die Naturschützer, die einmal pro Jahr nach dem Rechten sehen wollen, Zugang zu dem Quartier. Finanziert wurde das Projekt mit 1 400 Euro von der Unteren Landschaftsbehörde des Rhein-Sieg-Kreises und vom Nabu, der 688 Euro zuschoss.

Thies hält es für möglich, dass im Laufe der Jahre vier Fledermausarten im Wasserbunker bei Krahforst heimisch werden könnten: das Braune Langohr sowie die Fransen-, die Bart- und die Wasserfledermaus - allesamt typische Waldbewohner.

"Wir gehen davon aus, dass der Behälter als Paarungsquartier und zur Überwinterung genutzt wird", sagt Fuhs. Dass die Tiere früher oder später kommen, gilt als sicher. Schließlich sind in der näheren Umgebung geeignete Wohnplätze rar. Im Rheinbacher Stadtwald sind Stadtsprecher Peter Feuser nur zwei bekannt: einer am Beuelskopf und einer nahe der Waldkapelle.
 
Artikel aus dem General-Anzeiger vom 08.02.2007 

 

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