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Aussichtsloser Spiegelkampf

Bachstelzen und andere Gebäudebrüter kämpfen gegen ihr Spiegelbild


(c) P. Meyer / NABU Bonn 

Ungewöhnliche Nebengeräusche begleiten dieser Tage immer wieder die Büroarbeit im NABU Naturschutzzentrum in Swisttal-Dünstekoven. Als die Mitarbeiter der Ursache für das ständige leise Klopfen und Flattern an einem der Bürofenster nachgingen, trafen sie auf eine Bachstelze, die unermüdlich gegen das Glas fliegt. Und nicht nur für das Fenster interessiert sich der verrückte Vogel. Auch auf den vor dem Gebäude parkenden Autos landet er regelmäßig und flattert aufgeregt vor den Windschutzscheiben und auf den blanken Autodächern herum. Was verbirgt sich hinter diesem sonderbaren Verhalten?


(c) P. Meyer / NABU Bonn 

Der Grund hierfür ist die Revierverteidigung des Bachstelzenmännchens rund um den Neststandort im Vordach des Stationsgebäudes: der Vogel sieht in den blanken Glas- und Metallflächen ständig sein eigenes Spiegelbild und erkennt darin einen fremden Artgenossen, den er als Rivalen betrachtet! Der offenbar besonders hartnäckige Eindringling muss permanent bekämpft werden, um zu verhindern, dass auch er sich mit dem auf dem Nest sitzenden Weibchen paart. Der Revierinhaber führt also einen ausweglosen Kampf gegen seinen vermeintlichen Rivalen.


(c) P. Meyer / NABU Bonn 

Ähnliche Attacken gegen spiegelnde Glasflächen wurden auch schon bei anderen Vogelarten beobachtet, die gern an oder in der Nähe von Gebäuden brüten, wie z.B. Hausrotschwanz, Amsel oder Kohlmeise. Unser Bachstelzenmann ist hier allerdings schon ein ungewöhnlich eifriger „Spiegelfechter“, der dabei einen nicht unerheblichen Teil seiner Energien verschwendet anstatt seine Kräfte für die bevorstehende Aufzucht der Jungen aufzusparen. Erst dann, wenn die Jungen geschlüpft sind, wird er seinen Spiegelkampf beenden.

Verletzungen kommen bei diesem Verhalten in der Regel nicht vor, da der Anflug immer aus kurzer Distanz erfolgt. Um den Vögeln jedoch den unnötigen Stress zu ersparen, sollte man die spiegelnden Flächen möglichst verdecken, z. B. mit Pappe oder Stoff oder außen angebrachten Fliegengittern. Auch Jalousien oder Gardinen können schon helfen.

Würde unser Bachstelzenmann begreifen, dass er in dem Glas nur sich selbst vor Augen hat, blieben ihm die kräftezehrenden Attacken erspart. Doch bislang wurde nur bei wenigen Vogelarten wissenschaftlich nachgewiesen, dass sie ihr eigenes Spiegelbild erkennen können. Den sogenannten „Spiegeltest“, bei dem die Tiere auf eine an ihrem Kopf aufgebrachte Farbmarkierung reagieren müssen, haben bisher vor allem einige Papageien und Rabenvögel wie Raben, Krähen und Elstern bestanden.

 

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