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Rotmilane im Linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis und Bonn im Aufwind

Gegen den Trend


(c) Matthias Overmann / NABU Bonn 

Ornithologen des NABU Bonn haben bei ihrer jährlichen Bestandserfassung der Greifvögel in den Wäldern Bonns und des linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreises in diesem Jahr insgesamt 9 Brutpaare des seltenen Rotmilan (Milvus milvus) nachgewiesen – so viele wie nie zuvor. Schwerpunkte der Verbreitung sind die Gemeinden Rheinbach und Wachtberg, wo der NABU insgesamt 5 Paare sicher bestätigen konnte. Weitere Reviere bzw. Bruten der "Gabelweihe" wurden in Bonn-Röttgen sowie auf dem Villerücken bei Alfter und Swisttal entdeckt. "Wir freuen uns sehr, dass der Bestand des Rotmilans bei uns in den letzten Jahren stabil geblieben bzw. sogar leicht angestiegen ist", so die Vogelschützer Axel Hirschfeld und Peter Meyer vom NABU Bonn. Sie kontrollieren die ankommenden Rotmilane im Frühjahr und kartieren ihre Standorte jedes Jahr neu.


(c) Peter Meyer / NABU Bonn 

Rotmilane gehören zu den Sorgenkindern des Naturschutzes in Deutschland. Bundesweit haben Nahrungsmangel sowie Verluste durch Windkraftanlagen und illegale Verfolgungen seit Beginn der 1990er Jahre zu einem Rückgang von über 30 Prozent geführt. Dazu kommt, dass Deutschland eine besondere Verantwortung für den Erhalt dieser Art hat. "Mehr als 60 Prozent des Weltbestandes brüten in Deutschland. Wenn die Art hier nicht überlebt, stirbt sie aus", befürchtet Meyer. Umso erfreulicher ist die positive Entwicklung im Großraum Bonn, wo der NABU seit den 80er Jahren die Nester der sehr störungsempfindlichen Milane erfasst.


(c) Peter Meyer / NABU Bonn 

Ein regelmäßiges Problem in der Region sind laut NABU vor allem Störungen der Bruten durch Forstarbeiten und privaten Einschlag von Brennholz im März und April. Der NABU nimmt deshalb bei drohenden Störungen umgehend Kontakt mit den Bewirtschaftern auf, um ein Schutzkonzept für das jeweilige Nest zu entwickeln. Meist geschieht das durch Einrichtung einer Schutzzone rund um das Nest, in der bis zum Ausfliegen der Jungvögel nicht gearbeitet werden darf. "Die meisten Förster und Landwirte sind sehr aufgeschlossen und freuen sich, wenn wir ihnen ein Paar auf ihren Flächen melden", so Meyer.


(c) Peter Meyer / NABU Bonn 

Auch für den Bau von Windkraftanlagen ist die genaue Lage der Rotmilannester ein wichtiges Planungs- bzw. Ausschlusskriterium. Weil die großen Greife besonders häufig mit den Rotoren der Windanlagen kollidieren, dürfen laut Gesetzgeber im Abstand von drei Kilometer um ein Rotmilannest keine neuen Anlagen gebaut werden. Der NABU informiert deshalb regelmäßig die Untere Landschaftsbehörde in Siegburg über die genaue Lage der Nester, damit diese bei zukünftigen Planungen berücksichtigt werden können.

"Einziger Wermutstropfen in dieser Saison war das Wetter. Durch das kalte und verregnete Frühjahr sind mindestens zwei Bruten vorzeitig aufgegeben worden. Die meisten Jungvögel aus den übrigen Bruten sitzen zurzeit noch in den Nestern, werden aber bis Ende des Monats flügge sein", so NABU-Experte Axel Hirschfeld. Die anmutigen Greifvögel sind dann bei uns noch bis Ende August zu beobachten. Spätestens im September machen sich die meisten Rotmilane dann auf dem Weg nach Spanien und Portugal, wo sie den Winter verbringen.

 

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