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Heuschrecken der Region Bonn/Rhein-Sieg


(c) Alexander Heyd / NABU Bonn 

In der nahezu unüberschaubaren Gruppe der Insekten stellen die Heuschrecken in vielerlei Hinsicht eine Ausnahme dar. Im Gegensatz zu Käfern oder Schmetterlingen ist ihre Artenzahl in Mitteleuropa so gering, dass man auch ohne langjähriges Studium in der Lage ist, alle Tiere sicher zu bestimmen. Und im Unterschied zu allen anderen bei uns vorkommenden Insekten machen Heuschrecken zudem durch Laute auf sich aufmerksam. Ihre Gesänge geben dabei nicht nur einer sommerlichen Landschaft ihre unverwechselbare Akustik, sondern sind auch ein gutes zusätzliches Bestimmungsmerkmal.
Nicht zuletzt sind Heuschrecken gute Bio-Indikatoren für wertvolle Lebensräume und geben Auskunft über den fortschreitenden Klimawandel. Mit jedem Zehntel Grad, den die Durchschnittstemperatur steigt, findet die eine oder andere Art ihren Weg nach Norden.

In der Region Bonn/Rhein-Sieg kommen derzeit 34 Heuschreckenarten vor. Einige Arten - wie z.B. der Gemeine Grashüpfer, der Nachtigall-Grashüpfer, Roesels Beißschrecke und die Strauchschrecke - sind überall sehr häufig. Besonders auffällig ist das Grüne Heupferd, unsere größte Heuschreckenart. Der laute, durchdringende Gesang der bis zu 42 mm messenden Heupferde ist im Sommer überall zu hören. Eine Art hat es sich auch in den Gebäuden der Innenstädte gemütlich gemacht: Das Heimchen, eine Grille, ist ein echter Kulturfolger und in der Bonner Altstadt weit verbreitet.
Zwei Heuschreckenarten gelten derzeit als in der Region ausgestorben oder verschollen: Die Sumpfschrecke und der Verkannte Grashüpfer wurden in den letzten Jahren nicht mehr beobachtet - ihnen fehlen geeignete Habitate.
Andere Arten wurden dagegen häufiger oder kamen sogar neu hinzu. Mit der stetigen Erwärmung unseres Klimas sind in den letzten 25 Jahren die Punktierte Zartschrecke, die Zweifarbige Beißschrecke, die Südliche Eichenschrecke, der Wiesengrashüpfer und das Weinhähnchen in unsere Region eingewandert. Und der Zustrom von Neubürgern ist noch nicht abgeschlossen: Derzeit warten die Vierpunktige Sichelschrecke und die Blauflügelige Sandschrecke auf ihren Erstnachweis in Bonn.

Der NABU Bonn pflegt und betreut viele wärmebegünstigte Flächen wie südexponierte Steinbrüche, Kiesgruben und Wiesenhänge, auf denen bereits 22 Heuschreckenarten nachgewiesen werden konnten. Für eine der seltensten Arten unserer Region, der Westlichen Beißschrecke, hat der NABU Bonn in den letzten Jahren mehrfach Biotoppflegeeinsätze in Bonn-Beuel und Niederkassel-Lülsdorf durchgeführt.

Die Heuschrecken der Region Bonn/Rhein-Sieg

Klicken Sie die Links in der folgenden Tabelle an, um Bilder von den entsprechenden Heuschrecken zu sehen.

Artname Verbreitung im Gebiet Habitatansprüche; Anmerkungen Vorkommen auf NABU-Pflegeflächen

Gemeine Sichelschrecke
(Phaneroptera falcata)

häufig sonnige Brachen, südexponierte Wiesen; deutliche Ausbreitung seit den 90er Jahren ja
Vierpunktige Sichelschrecke
(Phaneroptera nana)
noch nicht nachgewiesen südexponierte Wiesen und Brachen; Art wandert von Süden her ein  
Laubholz-Säbelschrecke
(Barbitistes serricauda)
Status unbekannt Laubwälder  
Punktierte Zartschrecke
(Leptophyes punctatissima)
häufig Gebüsche, Hecken, Gärten; deutliche Ausbreitung seit den 90er Jahren ja
Gemeine Eichenschrecke
(Meconema thalassinum)
häufig Wälder und Parks ja
Südliche Eichenschrecke
(Meconema meridionale)
lokal häufig Baumbestände im Siedlungsbereich; deutliche Ausbreitung seit dem Jahr 2003  
Langflügelige Schwertschrecke
(Conocephalus discolor)
häufig Wiesen und Brachen, früher nur in Feuchtgebieten; deutliche Ausbreitung seit den 90er Jahren ja
Kurzflügelige Schwertschrecke
(Conocephalus dorsalis)
selten feuchte Wiesen  
Grünes Heupferd
(Tettigonia viridissima)
häufig Gebüsche, Wiesen, Brachen, Gärten ja
Zwitscherschrecke
(Tettigonia cantans)
noch nicht nachgewiesen Gebüsche, Wiesen, Waldränder; in Lagen über 400 m; Art könnte von Osten her einwandern  
Westliche Beißschrecke
(Platycleis albopunctata)
selten südexponierte Blockschutthalden und Mauern ja
Roesels Beißschrecke
(Metrioptera roeseli)
sehr häufig Wiesen ja
Kurzflügelige Beißschrecke
(Metrioptera brachyptera)
selten Brachen, Waldränder, Heiden  
Zweifarbige Beißschrecke
(Metrioptera bicolor)
selten südexponierte Wiesen und Brachen; deutliche Ausbreitung seit den 90er Jahren ja
Gemeine Strauchschrecke
(Pholidoptera griseoaptera)
sehr häufig Gebüsche, Wälder, Gärten ja
Tachycines asynamorus
(Gewächshausschrecke)
sehr selten Gewächshäuser (ein bekanntes Vorkommen in Bonn)  
Feldgrille
(Gryllus campestris)
sehr selten Wiesen (1 Vorkommen im Rhein-Sieg-Kreis)  
Heimchen
(Acheta domestica)
häufig Gebäude  
Waldgrille
(Nemobius sylvestris)
häufig Wälder und Waldränder ja
Maulwurfsgrille
(Gryllotalpa gryllotalpa)
sehr selten Gartenland (Beuel)  
Weinhähnchen
(Oecanthus pellucens)
häufig sonnige Brachen, vor allem in Rheinnähe; deutliche Ausbreitung seit den 90er Jahren ja
Säbeldornschrecke
(Tetrix subulata)
häufig Feuchtgebiete, Gewässerufer ja
Gemeine Dornschrecke
Tetrix undulata)
häufig Brachen, Gartenland ja
Langfühler-Dornschrecke (Tetrix tenuicornis) selten Kies- und Sandgruben, Steinbrüche  
Blauflügelige Ödlandschrecke
(Oedipoda caerulescens)
selten, lokal verbreitet Kiesgruben, Bahndämme, Steinbrüche; deutliche Ausbreitung seit den 90er Jahren ja
Blauflügelige Sandschrecke
(Sphingonotus caerulans)
noch nicht nachgewiesen Gleisanlagen, Brachen, Schuttplätze; Art wandert von Norden her ein  
Sumpfschrecke
(Stethophyma grossum)
verschollen Feuchtgebiete (zuletzt in Witterschlick)  
Lauchschrecke
(Mecostethus alliaceus)
Einzelnachweis Feuchtgebiete (1 Nachweis am Rhein) ja
Große Goldschrecke
(Chrysochraon dispar)
häufig Wiesen, früher nur in Feuchtgebieten; deutliche Ausbreitung seit den 90er Jahren ja
Bunter Grashüpfer
(Omocestus viridulus)
selten Wiesen und Brachen der Hochlagen; Bestand geht seit den 90er Jahren deutlich zurück  
Rote Keulenschrecke
(Gomphocerippus rufus)
lokal häufig sonnige Brachen, Steinbrüche, Bahndämme ja
Gefleckte Keulenschrecke
(Myrmeleotettix maculatus)
selten Sand- und Kiesgruben, Sandflächen ja
Steppengrashüpfer
(Chorthippus vagans)
selten südexponierte Blockschutthalden und Steinbrüche  
Nachtigall-Grashüpfer
(Chorthippus biguttulus)
sehr häufig Wiesen ja
Brauner Grashüpfer
(Chorthippus brunneus)
häufig Brachen, Schuttplätze, Kiesgruben, auch im Siedlungsbereich ja
Verkannter Grashüpfer (Chorthippus mollis) verschollen trockene Wiesen (zuletzt Düne Tannenbusch)  
Wiesengrashüpfer
(Chorthippus dorsatus)
selten Wiesen, Brachen; Art wandert seit 2004 ins Gebiet ein ja
Gemeiner Grashüpfer
(Chorthippus parallelus)
sehr häufig Wiesen ja
Sumpfgrashüpfer
(Chorthippus montanus)
noch nicht nachgewiesen Feuchtwiesen; Art wurde möglicherweise bislang übersehen  

 

 

 

 

 

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