NABU-Bonn.de Tiere & Pflanzen Vögel Spechte

Spechte

Zimmerleute des Waldes

Spechte gehören zu unseren auffälligsten Vogelarten. Ihr weithin hörbarer Trommelwirbel, die zum Teil auffälligen Rufe und ihre selbst gebauten Bruthöhlen machen sie zu den beliebtesten Wildtieren unserer Heimat. Darüber hinaus sind sie auch Indikatoren für naturnahe Wälder und weisen eine interessante Biologie auf.

In Bonn und dem linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis brüten 6 verschiedene Spechtarten:

Buntspecht
Mittelspecht
Kleinspecht
Schwarzspecht
Grünspecht
Grauspecht

 

Buntspecht (Dendrocopos major)


(c) Peter Meyer / NABU Bonn 

Buntspecht Der Buntspecht ist unsere häufigste Spechtart. Er kommt in Laub- wie in Nadelwäldern vor und besiedelt auch Parks und große Gärten. Im Frühling fallen die Buntspecht-Männchen überall in unseren Wäldern durch ihr schnelles Trommeln auf, mit denen sie ihr Revier markieren und um Weibchen werben.
Die Hauptnahrung des Buntspechtes besteht aus Insekten und deren Larven, die vor allem unter Baumrinde gesucht werden. Im Winter ernähren sich Buntspechte auch von Beeren, Samen und Nüssen. Dabei legen sie die sog. „Spechtschmieden" an - Kerben im Holz oder Astgabeln, in denen Nadelbaumzapfen und Nüsse eingeklemmt und dann mit dem Schnabel zerkleinert werden.

Mittelspecht (Dendrocopos medius)


(c) Marek Szczepanek/Wikimedia Commons 

Mittelspechte ähneln sehr dem Buntspecht. Während die Art deutschlandweit als gefährdet gilt, ist sie in den Wäldern rund um Bonn recht häufig anzutreffen. Der Mittelspecht ist auf Eichenwälder angewiesen und besiedelt im Gegensatz zum Buntspecht keine Parks und nur selten Mischwälder.
Im Gegensatz zu den anderen Spechtarten trommeln Mittelspechte kaum, sondern singen regelrecht: Ihre lauten, etwas klagenden „Kwääk"-Rufe erinnern entfernt an Eichelhäher oder Habicht und sind im Frühling überall im Kottenforst zu hören.
Mittelspechte ernähren sich wie Buntspechte, bevorzugen aber tierische Kost und fressen Samen und Beeren nur in Notzeiten.

Kleinspecht (Dendrocopos minor)


(c) Peter Meyer / NABU Bonn 

Ein recht typischer Flachlandbewohner ist der Kleinspecht. Er besiedelt Laubwälder und Auen und baut seine Bruthöhlen bevorzugt in Weiden, Pappeln und anderen Weichhölzern. In unserer Region ist er zwar weit verbreitet, aber relativ selten.
Neben einem schnellen, aber recht leisen Trommeln lässt der Kleinspecht auch einen hektischen Ruf hören, der entfernt an den des Turmfalken erinnert. Er ernährt sich überwiegend von Insekten, wobei er nicht nur Baumrinde nach ihnen absucht, sondern auch geschickt Mücken oder Motten im Flug erbeutet. Zudem naschen sie an Beeren und Obst oder fressen - vor allem im Winter - auch Samen.
Kleinspechte sind die einzigen Spechte in Mitteleuropa, die ein nennenswertes Zugverhalten aufweisen. Im Winter fliegen sie als sog. „Teilzieher" bis zu einigen hundert Kilometern weit und schließen sich im milderen Überwinterungsgebiet oft Trupps von Kleinvögeln - vor allem Meisen - an.

Grünspecht (Picus viridis)


(c) Peter Meyer / NABU Bonn 

Besonders auffällig ist der Grünspecht. Mit seinem grünen Gefieder und der leuchtend roten Kopfplatte gehört er zu unseren schönsten Vogelarten. Daneben fällt er durch seinen lauten, lachenden Ruf auf.
Der Grünspecht bewohnt Laubwälder, Auen und Parks. Er bevorzugt eine halboffene Landschaft mit großen Bäumen, Wiesen, Weiden und Äckern. Er ist dabei relativ Wärme liebend und leidet unter kalten Wintern, die seinen Beständen oft erheblich zusetzen.
Grünspechte sind Nahrungsspezialisten und fressen ausschließlich Ameisen. Dafür verbringe sie einen Großteil ihrer Zeit am Boden und dringen dabei auch in Ameisenbauten ein. Wenn Sie im Kottenforst einen Amseisenhügel finden, in dem ein großes Loch klafft, hat sich hier wohl der Grünspecht bedient.
 

 

Grauspecht (Picus canus)


(c) Peter Meyer / NABU Bonn 

Nicht viel weniger auffällig ist der Grauspecht. Nicht ganz so lebhaft gefärbt wie der Grünspecht, ist er aber dennoch eine farbenfrohe Erscheinung. Sein Ruf ähnelt dem Lachen des Grünspechtes, wobei die kurze Rufreihe immer langsamer wird.
Grauspechte bewohnen Laubwälder, Auen und Parks, sind aber weniger kälteempfindlich und besiedeln deswegen öfter die höheren Lagen. In unserer Region kommt er zum Teil zusammen mit dem Grünspecht vor, ist aber in den letzten 20 Jahren immer seltener geworden und droht, bei uns völlig zu verschwinden. Als Grund hierfür wird die Klima-Erwärmung angenommen.
Auch der Grauspecht ernährt sich ausschließlich von Ameisen, die er aber nicht nur auf dem Boden sucht, sondern auch in Totholz.

Schwarzspecht (Dryocopus martius)


(c) Peter Meyer / NABU Bonn 

Der Schwarzspecht ist der größte Specht Europas und eine imposante Erscheinung. Er ist fast krähengroß, ebenso schwarz und hat eine leuchtend rote Kopfplatte. Sein lautes und weit tragendes Trommeln ist ebenso eindrucksvoll wie die sehr lauten und melodischen Rufe.
Schwarzspechte brüten bei uns vorwiegend in Rotbuchenwäldern, bauen ihre Höhlen aber gelegentlich auch in Nadelbäumen. Während der Schwarzspecht in manchen Teilen Deutschlands als gefährdet und selten gilt, ist er in der Region Bonn/Rhein-Sieg noch häufig anzutreffen.
Wie auch Grau- und Grünspechte ernähren sich Schwarzspechte vor allem von Ameisen, die sie allerdings vornehmlich auf Bäumen und unter deren Rinde suchen.
Die große Bruthöhle des Schwarzspechtes ist der wichtigste Brutplatz für Waldkauz und Hohltaube, die die Spechtwohnung gerne als Nachmieter nutzen.

 

Schließen