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Die Turteltaube

Vogel des Jahres 2020


(c) P. Meyer / NABU Bonn 

Die zierliche Turteltaube ist eine von fünf bei uns heimischen Taubenarten und war früher in unserer Feldflur weit verbreitet. Mit ihrem farbenfrohen Gefieder mit blaugrauem Kopf, dem markanten rostbraun-schwarz gefleckten Rücken und Flügeldecken sowie den auffälligen schwarzweiß gestreiften Halsflecken ist sie kaum mit anderen Taubenarten zu verwechseln. Mit einer Körperlänge von 25-28 Zentimetern und einer Flügelspannweite von höchstens 50 Zentimetern ist sie deutlich kleiner und graziler als unsere übrigen Wildtauben. Männchen und Weibchen kann man optisch nicht unterscheiden.

Lebensräume für die Turteltaube

Ursprünglich war die Turteltaube ein Bewohner von Auwäldern, Uferzonen von Teichen und Flüssen sowie Waldsäumen und Lichtungen. Heute lebt sie bevorzugt in der vom Menschen veränderten Kulturlandschaft oder in lichten Wäldern mit Unterwuchs, wo sie in großen Sträuchern oder jungen Bäumen geeignete Nistplätze findet. Ideal sind daher strukturreiche Agrarlandschaften mit offenen, kultivierten Flächen, Brachen, Feldgehölzen und ausreichend Wasserstellen. Gerne besiedelt sie auch ehemalige Truppenübungsplätze, Gärten und Parks sowie stillgelegte Kiesgruben. Entscheidend bei der Nistplatzwahl ist auch die Nähe von Gewässern.


(c) P. Meyer / NABU Bonn 

Nahrung

Turteltauben sind reine Vegetarier, deren Nahrung neben Baumsamen einst vor allem aus verschiedenen Wildkrautsamen an Feldwegen und den Feldfrüchten aus Zwischensaaten bestand. Da diese Kräuter in unserer Feldflur längst selten geworden sind, macht mittlerweile der Anteil von landwirtschaftlichen Sämereien in weiten Teilen ihres Verbreitungsgebietes mehr als die Hälfte der Nahrung aus. Vor allem nach der Brutzeit fressen sie vermehrt Sonnenblumenkerne, Raps- und Weizensamen.

Kleines Täubchen auf großer Reise

Schon an den bei Tauben seltenen spitz zulaufenden, schmalen Flügeln lässt sich erkennen, dass die Turteltaube zu den Zugvögeln gehört und nur zur Brutzeit bei uns lebt. Tatsächlich ist sie sogar die einzige echte Langstreckenzieherin unter den Taubenarten Mitteleuropas und fliegt zwischen Ende Juli und Anfang Oktober in ihre Winterquartiere in den Trockensavannen südlich der Sahara. Ihr Weg dorthin führt für die in Deutschland heimische Population über Spanien und Gibraltar.

Brutverhalten

Zwischen Ende April und Mitte Mai kehren die Turteltauben gewöhnlich in ihre angestammten Brutreviere zurück und beginnen mit der Balz. Hierbei vollführen die Partner eine auffällige „Flugshow“, bei dem die Vögel von einem erhöhten Punkt steil auffliegen und dann in einem Bogen zur Sitzwarte zurück gleiten. Anschließend baut das Pärchen ein flaches Nest aus trockenen Zweigen in einem großen Strauch oder im Unterwuchs von kleinen Laubbäumen. Die Brutsaison dauert in Deutschland bis Ende August. Bis in den Juli hinein legt das Weibchen bis zu zwei Mal, selten auch drei Mal, je zwei weiße, ovale Eier. Die Brutzeit dauert 13 bis 16 Tage und die Küken werden 18 bis 23 Tage von beiden Eltern gefüttert. Voll flugfähig sind sie mit 25-30 Tagen.


(c) P. Meyer / NABU Bonn 

Alarmstufe Rot bei den Beständen

Mitte des letzten Jahrhunderts war die Turteltaube noch weit verbreitet. Seitdem jedoch geht es dramatisch bergab. Seit 1980 haben wir in Deutschland 89 Prozent des Bestandes verloren. Der Hauptgrund hierfür ist die intensive Landwirtschaft, durch die sich die Lebensbedingungen der Turteltauben in den Brutgebieten ständig verschlechtern. Durch die Ausweitung von Anbauflächen und den damit verbundenen Verlust an Brachen, Ackersäumen, Feldgehölzen und Kleingewässern gehen immer mehr Lebensräume für den Vogel des Jahres verloren. Und auch in den Überwinterungsgebieten wird es z.B. durch Holzkohlegewinnung für die Turteltaube immer schwieriger. Hinzu kommen massive Verluste durch die Bejagung von Turteltauben auf ihrem Zugweg.

Auch in unserer Region findet die Turteltaube wegen der intensiven Landwirtschaft und der ständig wachsenden Bebauung kaum noch geeignete Nahrungs- und Brutplätze. Etwa 70-100 Brutpaare gibt es aktuell im linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis. Das ist ein Rückgang um etwa 80% seit 1974. Die aktuelle Lage des als Liebes- und Friedenssymbol bekannten Jahresvogels ist also alles andere als romantisch. Zum Glück ist das zarte, monotone Gurren der Turteltaube derzeit auch im NSG Kiesgrube Dünstekoven wieder zu vernehmen. Vermutlich ist dasselbe Brutpaar, das schon in den vergangenen Jahren seine Jungen in der Nähe der NABU Station großgezogen hat, in den vergangenen Tagen zurückgekehrt.

 

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