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Seit Jahrhunderten prägen sie die vom Menschen geschaffene Kulturlandschaft – die Streuobstwiesen am Dorfrand

In den letzten Jahren hat ihr Bestand jedoch stark abgenommen und der Lebensraum für viele Säugetiere, Insekten und Vögel ist bedroht

Als Streuobstwiese bezeichnet man die traditionelle Form des Obstbaus, bei der meist hochstämmige Bäume mit großen Kronen, verschiedenen Alters- und Größenklassen sowie unterschiedlichen Obstarten und ‑sorten gestreut über die Grünlandfläche stehen.

Seit vielen Jahrhunderten gehören Streuobstwiesen zu landschaftsprägenden Bereichen in unserer Kulturlandschaft. Obstwiesen waren immer Begleiter menschlicher Siedlungen. Sie bereicherten die Dörfer und Höfe mit einem Gürtel aus Grün und Lebensraum. An vielen Alleen standen Obstbäume, sie gliederten die Feldflur und belebten das Landschaftsbild. Auf der Fläche werden weder Pflanzenschutzmittel noch Dünger verwendet. Streuobstwiesen werden nur extensiv bewirtschaftet und gepflegt – teils mit Schafen und Rindern. Das Obst wurde dabei für den Eigenbedarf sowie für die Saftgewinnung genutzt. Bei Hochstamm­obstbäumen setzen zwischen dem 8. und 15. Standjahr die besten Obsterträge ein. In guten Jahren können bis zu mehrere hundert Kilo pro Baum geerntet werden. Die anfallenden Mengen können, wenn sie nicht für den Eigenbedarf verbraucht werden, einer Mosterei zugeführt werden (Adresse ist beim NABU zu erhalten)

Restbestände in schlechtem Zustand

Der Streuobstanbau leistete auch im hiesigen Raum bis in die 60er Jahre diesen Beitrag zur Versorgung. Seitdem ist ein starker Rückgang bis zum völligen Verschwinden zu verzeichnen. Viele Obstwiesenbereiche lagen an Ortsrändern, wo sie Siedlungs-/Industrieflächen und Umgehungsstraßen im Wege standen. Nach einer Erhebung des Landesamtes für Statistik ist der Bestand an Streuobstbäumen in NRW um ca. 2,5 Mio. Bäume bzw. 65 % zurückgegangen. Ab Mitte der 50er Jahre fanden Rodungen der alten Hochstämme statt (mit Förderprämien), um eine Umstellung auf die wirtschaftlicheren Niederstamm-Kulturen oder anderes zu ermöglichen. An den meisten Ortsgebieten im linken Rhein-Sieg-Kreis sind Reste zu finden, die überaltert (vergreist), also in einem schlechten Zustand sind. Rechtzeitiges Nachpflanzen von Jungbäumen in lückig gewordenen Altbeständen würde die Kontinuität der Streuobstwiesen sichern. Es gibt vereinzelt Initiativen, so wie in Meckenheim und Rheinbach geschehen, als Ausgleichmaßnahme Streuobstwiesen neu anzulegen.

Die Verarmung der Kulturlandschaft verhindern

Auch der NABU unterhält in Wachtberg, Meckenheim, Alfter und Rheinbach einige Streuobstwiesen, wobei er sich um die Erhaltung, Pflege und Neuanpflanzung bemüht. Wegen ihrer starken Gefährdung sind die Streuobstwiesen in NRW auf die „vorläufige Rote Liste der gefährdeten Biotope“ aufgenommen worden. Eine Verarmung der Kulturlandschaft gilt es zu verhindern, Privatinitiativen sind aufgerufen, sich für den Erhalt der Streuobstwiesen einzusetzen. Der NABU bittet hierzu um Informationen, in welchen Bereichen Neuanpflanzungen möglich sind. Dieser Lebensraum ist für Säugetiere (Fledermäuse, Bilche usw.), sowie für Vögel (Steinkauz, Grünspecht, Gartenrotschwanz), Insekten/Schmetter­linge/Käfer, Amphibien (Frösche) usw. ein lebenswichtiges Biotop.

Der NABU vermarktet Obstsaft von eigenen Streuobstwiesen- dieser kann in unserem NABU Naturschutzzentrum Am Kottenforst, Waldstraße 31 in Swisttal-Dünstekoven erworben werden (donnerstags und freitags, 9.00 Uhr bis 16.00 Uhr).

 

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